Blog · Grundlagen

Sparen oder Kaufkraft bewahren?

Nur systematische Vermögensbildung ist die beste Altersvorsorge

DHVon Daniel Huber · finanzuni.blog · ca. 6 Min.

Finanzielle Aufklärung ist ein Grundrecht aller Menschen. Dieser Artikel wird Ihnen entscheidende Grundlagen finanzieller Kompetenz vermitteln.

Das Thema Altersvorsorge ist in allen Medien verbreitet. Viele Menschen sind längst verwirrt, aber ebenso viele glauben, schon alles richtig zu machen. Dieser Artikel dient der Aufklärung und gibt Ihnen eine Möglichkeit zur Selbstkontrolle. Wer für's Alter spart, will gar nicht »Geld« sparen, sondern Kaufkraft aufbewahren — und vermehren. Sie wollen im Rentenalter doch nicht Ihre bis dahin angesparten Geldbeträge (plus Zinsen) zurückerhalten, sondern sicher sein, dass diese dann noch genauso viel wert sind wie heute.

Kaufkraft entscheidet

Weil Altersvorsorge zwangsläufig langfristig ist, muss deshalb das Geldwertstabilitätsrisiko berücksichtigt werden, welches sich aus der Inflation und noch weiteren Risikoursachen ergibt. Schon die Inflationsrate betrug im Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte 3,1% pro Jahr. Angenommen, die Inflation bliebe auch im Durchschnitt der kommenden Jahrzehnte so gering, dann sind heute gesparte 1000 Euro in Zukunft nur noch soviel wert: in 20 Jahren

543 Euro in 30 Jahren 400 Euro in 40 Jahren 295 Euro

Kaufkraftverlust durch Inflation Das heißt, nach aller Erfahrung wissen Sie schon heute, dass Ihre jetzigen Ersparnisse in 20 Jahren nur noch rund die Hälfte wert sind. Dass Sie sich dafür nur noch halb soviel kaufen können wie heute. Ist die Ihnen zugesicherte Verzinsung geringer als die bisherige Durchschnittsinflation, dann wird Ihnen also

in Wahrheit keine Vermehrung, sondern eine Verringerung Ihrer Erparnisse garantiert. Deshalb scheiden von vornherein alle Spar- und Anlageformen aus, die uns mit weniger als 3,1% Garantie-Verzinsung locken sollen. Nun wissen wir aber heute noch gar nicht, wie hoch die Inflation zukünftig sein wird. Vielleicht beträgt sie irgendwann mal wieder 5%, wie zuletzt 1992, oder 8%, wie zuletzt 1973, oder wird noch viel höher.

Hohe Rendite ist notwendig

Wenn während Ihrer Vermögensbildung und Altersvorsorge Phasen mit hoher Inflation auftreten, dann steigt auch die Durchschnittsinflation und schon nach wenigen solchen Jahren heißt es »Gute Nacht« für alle Ihre nominalwert-gesicherten Ersparnisse: Kapitallebensversicherungen und private Rentenversicherungen, Bank- und Bausparverträge, Rentenpapiere und andere Schuldverschreibungen, Renten- und Geldmarktfonds, Sparbücher und Sparbriefe und so weiter.

Dann bekommen Sie nicht einmal die Kaufkraft zurück, die Sie beiseite gelegt haben! Je länger die geplante Ansparzeit, desto nutzloser wird eine Zinsgarantie. Und für die zwangsläufig langfristige Altersvorsorge ist eine Zinsgarantie längst bedeutungslos. Sobald Sie langfristig sparen, brauchen Sie realwertgesicherte Anlageformen mit einer langfristig gesehen möglichst hohen Rendite.

Realwertgesicherte Anlageformen sind Immobilien und Beteiligungspapiere. Weil aber die langfristige Durchschnittsrendite von Immobilien für einen zügigen Vermögensaufbau zur Altersvorsorge viel zu gering ist, eignen sich dafür somit ausschließlich Beteiligungspapiere. Das sind vor allem Aktien und Aktienfonds.

Ansparzeit bestimmt die Risiken

Nun ist die Meinung weit verbreitet, dass ausgerechnet Aktien und Aktienfonds »riskant« seien. Bei kurzer Ansparzeit stimmt das tatsächlich. Bei langer Ansparzeit jedoch erweisen sich Beteiligungspapiere seit Jahrhunderten als die sicherste Aufbewahrung und Vermehrung von Kaufkraft, die es überhaupt gibt! Weil Sie während der Ansparzeit ohnehin auf die Verfügbarkeit Ihrer Ersparnisse verzichten, können Ihnen die Kursschwankungen während der Ansparzeit doch völlig egal sein!

Hauptsache, Sie erzielen zum Ende Ihrer Ansparzeit eine hohe positive Rendite. Wenn Sie sicher für das Alter vorsorgen wollen, sollten Sie Ihren finanziellen Entscheidungen unbedingt tatsächliche statt vermutete Verlustwahrscheinlichkeiten zugrunde legen. Denn das »gute Gefühl« von nominaler Sicherheit, etwa infolge einer erhaltenen Zinsgarantie, wird Sie nicht vor realen Vermögensverlusten bewahren.

20 Jahre reichen Wer langfristig, regelmäßig und zielorientiert gestreut in Aktien oder Aktienfonds investierte, konnte noch nie Verlust machen! Nach aller Erfahrung führen regelmäßige und zielorientiert gestreute Investitionen in Beteiligungspapiere schon bei 20-jähriger Ansparzeit längst zu der mit deutlichem Abstand höchsten Durchschnittsrendite.

Das gilt also inklusive der Weltkriege und der Weltdepression ab 1929 und natürlich auch inklusive des Crashs ab März 2000. Aufgrund des überproportionalen Zusammenhangs zwischen Rendite und Vermögen führt das dann bereits zu einem Vielfachen des Vermögens, welches mit irgendeiner anderen Anlageform im selben Zeitraum erreichbar ist.

Warum eigentlich erreichen Beteiligungspapiere insgesamt und im langfristigen Durchschnitt zwangsläufig eine deutlich höhere Rendite als alle Forderungspapiere, seien sie vermeintlich »staatlich« gefördert oder nicht?

Vermögen statt Schulden

Machen Sie sich dazu folgendes klar: Eine Zinszusicherung kann und wird Ihnen ein ehrlicher Mensch und ein seriöses Unternehmen nur dann geben, wenn sich der Betreffende sicher ist, mit dem ihm zur Verfügung gestellten Kapital zukünftig deutlich mehr als jene zugesicherten Zinsen zu erwirtschaften. Denn erstens muss der Betreffende etwas für sich selbst zum Leben abzweigen und das Unternehmen muss all seine Kosten decken.

Und zweitens will kein Mensch und kein Unternehmen nur für seine Schulden arbeiten, sondern vorrangig für sein Vermögen. Vermögen erwirbt ein Unternehmen mit Beteiligungspapieren. Schulden erwirbt ein Unternehmen mit Forderungspapieren: Lebensversicherungen, private Rentenversicherungen, Bankund Bausparverträge, Rentenpapiere und andere Schuldverschreibungen, Renten- und Geldmarktfonds, Sparbücher und Sparbriefe und so weiter.

Beteiligung statt Forderung

Schon solche einfachen Überlegungen machen verständlich, warum Beteiligungspapiere insgesamt und im langfristigen Durchschnitt eine deutlich höhere Rendite erreichen müssen als alle Forderungspapiere! Weil das aber nur insgesamt und im langfristigen Durchschnitt gilt, kommen Sie um eine zielorientierte Streuung und um eine lange Ansparzeit nicht herum.

Indem Sie sich an diesem sicheren Mehrertrag direkt beteiligen, gewinnen Sie also die höchstmögliche Sicherheit, dass Ihre zukünftige Rendite zum Ende Ihrer Ansparzeit den mittlerweile eingetretenen Kaufkraftverlust ausgleicht, und dass Sie darüber hinaus eine reale Vermehrung Ihrer Ersparnisse erzielen.

Crashs sind herrlich

So unglaublich es für Sie klingen mag: Für all diejenigen, die langfristig und regelmäßig ihre Sparraten in Beteiligungspapiere investieren, geben Kursschwankungen Anlaß zur Freude. Ins-

besondere Crashs in der ersten Hälfte der Ansparzeit lassen Ratensparer jubeln. Und in der zweiten Hälfte ihrer Ansparzeit sind Crashs für sie dann nebensächlich. Das liegt daran, dass sich für Ratensparer der zukünftige Gewinn aus dem Abstand zwischen Verkaufskurs und durchschnittlichem Kaufkurs der Beteiligungspapiere ergibt. Weil Ratensparer zu hohen Kursen automatisch weniger und zu niedrigen Kursen automatisch mehr Anteile erwerben, senken sie ihren durchschnittlichen Kaufkurs im Vergleich zu denen, die immer die gleiche Anzahl Anteile erwerben.

Kursschwankungen und insbesondere Crashs in der ersten Hälfte der Ansparzeit führen deshalb langfristig gesehen zu einem Gewinnanstieg und machen den betreffenden Anlagetitel dauerhaft sicherer. Selbst wenn alle Kurse auch langfristig fallen sollten, also zu jedem Zeitpunkt niedriger sind als zu Beginn der Ansparzeit, können Ratensparer immer noch real Gewinn erzielen!

Versicherungsunternehmen hingegen würden in solch einem Fall die sogenannte »Überschußbeteiligung« komplett streichen und die Politiker zu einer erneuten Senkung des gesetzlichen Garantiezinses drängen, wie nach nur zweieinhalb Jahren fallender Kurse gerade geschehen. Wie sparen Sie? Deshalb unbedingt für alle Zukunft merken: Alle Risikoursachen und alle Risiken hängen von der Ansparzeit ab und davon, wie Sie sparen.

Nur bei langfristigem und zielorientiert gestreutem Ratensparen in Beteiligungspapiere können Sie sicher sein, dass Sie zum Ende Ihrer Ansparzeit deutlich mehr Kaufkraft zurückbekommen als Sie heute sparen.

fen Sie natürlich immer nur jene Sparraten investieren, die Sie dauerhaft für Ihre Vermögensbildung und Altersvorsorge verwenden können und verwenden wollen. Sonst kann Ihnen das passieren, was Millionen Deutschen während ihres Lebens mehrfach passiert: Sie haben plötzlich Geldnot und verkaufen dann Ihre Wertpapiere oder lösen Ihre Lebens- oder Rentenversicherung oder Ihren Bank- oder Bausparvertrag wieder auf.

Zwar war es bei zielorientiert gestreutem Ratensparen in Beteiligungspapiere bislang unmöglich, durch einen Wertpapierverkauf nach 10 Jahren Ansparzeit noch einen Verlust zu realisieren, nämlich Kaufkraft zu verlieren. Aber der Rückkaufwert einer Kapitallebens- oder privaten Rentenversicherung kann erfahrungsgemäß selbst nach 15 Jahren Ansparzeit immer noch Kaufkraftverluste bescheren.

Ein jederzeit verfügbar gehaltenes Finanzpolster verhindert also, dass Sie jahrelang sparen und trotzdem nichts davon haben. Mit anderen Worten: Das Finanzpolster verhindert, dass Sie Kaufkraft vernichten und im Alter verzichten.

Vom Autor gibt es auch das Standardwerk »Die Grundsätze der Vermögensbildung und Altersvorsorge«, kurz ® »ReichtumsG und DurchführungsV«, ISBN 3-935363-99-0.

Wer über »Verluste« mit Aktien oder Aktienfonds klagt, hat die für diese Anlageform notwendige lange Ansparzeit nicht eingehalten und einen Gewinn deshalb gar nicht verdient.

Notwendig: Finanzpolster

Damit Sie tatsächlich langfristig auf die Verfügbarkeit der investierten Sparraten verzichten können, müssen Sie zuerst ein hinreichendes Finanzpolster für unerwartete, notwendige Ausgaben oder den vorübergehenden Einkommensverlust beiseite legen! Auch dür-

Dieser Beitrag stammt aus dem Wissensarchiv der FinanzUni und wurde für finanzuni.blog überarbeitet. Konkret werden: in der Rubrik Umsetzung oder im kostenlosen Gespräch.
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