Einkommensverwendung

Sparformen

DHVon Daniel Huber · finanzuni.blog · ca. 5 Min.

Merksatz: Sparformen beschreiben die Entstehung von Ersparnissen.

Wie sparen Sie? Wie können Sie es schaffen, Geld beiseite zu legen?

Vergleichen Sie das mit dem Merksatz bei den Anlageformen.

Die meisten Menschen haben das Sparen nie gelernt. Sie können nicht sparen. Gehören auch Sie dazu? Dann sollen Ihnen die nachfolgenden Sparformen Wege aufzeigen, wie Sie das Sparen lernen können (wenn Sie wollen). Und zwar ohne Verzicht zu empfinden!

1. Grundsparen

Das Grundsparen ist die Basis allen Sparens. Wer frühzeitig im Leben das Grundsparen lernt, kann gar nicht mehr verhindern, Vermögen zu bilden. Und zwar automatisch, ohne Anstrengung und ohne Verzicht!

Grundsparen heißt, von allen regelmäßigen Einnahmen immer zuerst einen bestimmten Prozentsatz dauerhaft beiseite zu legen. Regelmäßige Einnahmen können sein: Lohn oder Gehalt, »Arbeitslosengeld«, Mieteinnahmen, Zinseinnahmen, Tantiemen, »Taschengeld«, »Haushaltsgeld« und anderes. Für die meisten Menschen bestehen die regelmäßigen Einnahmen fast nur aus ihrem Lohneinkommen für geleistete Arbeit.

Wählen Sie für das Grundsparen mindestens 10%. Denn erfahrungsgemäß spüren Sie die 10% gar nicht, sobald Sie sich erst einmal daran gewöhnt haben. Das gilt unabhängig von der Einkommenshöhe! Wenn Sie das regelmäßige Sparen jedoch nicht gewohnt sind, wird es Ihnen zunächst vermutlich schwer fallen, 10% aller regelmäßigen Einnahmen zu sparen. Insbesondere dann, wenn Sie inzwischen hohe Zahlungsverpflichtungen eingegangen sind. Zahlungsverpflichtungen zu reduzieren ist schwerer als Zahlungsverpflichtungen einzugehen. Deshalb ist auch die Reihenfolge der Einkommensverwendung so wichtig. Dazu siehe Gesamtübersicht der Einkommensverwendung.

Merksatz: Grundsparen: mindestens 10% von allen regelmäßigen Einnahmen.

Das ist nur eine Frage der Veränderung Ihrer Gewohnheiten. Gewöhnen Sie sich an gute Gewohnheiten! Erinnern Sie sich? Bewußte Übung schafft gute Gewohnheiten. Die Ausgabenübersicht ist eine ideale erste Übung.

Falls Sie gegenwärtig für das Grundsparen nichts übrig haben, weil Sie es gewöhnt sind, bislang jede Einkommenserhöhung sofort für die vermeintliche Verbesserung Ihrer Lebensqualität auszugeben, dann müssen Sie mit dem Grundsparen warten, bis Sie die nächste Einkommenserhöhung erzielen (siehe auch unter Konsumwünsche). In dem Fall beginnen Sie einfach mit dem Zusatzsparen.

2. Zusatzsparen

Zusatzsparen heißt, von allen zusätzlichen Einnahmen, die über die aktuellen regelmäßigen Einnahmen hinausgehen, immer zuerst einen bestimmten Prozentsatz dauerhaft beiseite zu legen. Solche zusätzlichen Einnahmen können sein: zukünftige Einkommenserhöhungen und Zuwendungen. Zuwendungen sind beispielsweise Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Tantiemen, Erfolgsprovisionen, Steuerrückzahlung, Geldgeschenke und anderes.

Merksatz: Das Zusatzsparen ist besonders leicht, weil es aus zusätzlichen Einnahmen erfolgt!

Wählen Sie für das Zusatzsparen mindestens 50%. Das fällt deshalb leicht, weil Ihnen die zusätzlichen Einnahmen zusätzlich zur Verfügung stehen. Was Sie noch nicht ausgeben und nicht verplanen konnten, brauchen Sie nicht. Mit anderen Worten: Wenn Sie die Zusatzeinnahmen nicht bekämen, dann könnten, müßten und würden Sie genauso weiterleben wie bisher. Mit einer Sparquote von 50% für das Zusatzsparen haben Sie hingegen immer noch 50% zusätzlich zum sofortigen Ausgeben.

Merksatz: Zusatzsparen: mindestens 50% von allen zusätzlichen Einnahmen.

Wenn Sie zukünftig von jeder Einkommenserhöhung und allen anderen Zusatzeinnahmen nur einen Teil in die Ausweitung Ihrer aktuellen, vermeintlichen Lebensqualität fließen lassen und den anderen Teil Ihrer finanziellen Vorsorge hinzufügen, wird das Ihre Vermögensbildung und Altersvorsorge enorm beschleunigen. Auch können Sie sich dann zum einen immer noch sofort für Ihre beruflichen Errungenschaften belohnen und zum anderen Jahre später für Ihre finanziellen Errungenschaften bedanken. Und letztere werden Sie viel mehr begeistern als erstere!

Also: Egal wie niedrig Ihre gegenwärtigen Einnahmen sind und egal wie hoch Ihre gegenwärtigen Zahlungsverpflichtungen sind, spätestens mit der nächsten unregelmäßigen Zusatzeinnahme oder der nächsten Einkommenserhöhung können auch Sie sparen! Und Einkommenserhöhungen gelangen Ihnen ja offenbar schon öfter, sonst hätten Sie keine hohen Zahlungsverpflichtungen eingehen können...

Merksatz: Sparen lernen ist leicht möglich!

Wenn einem einer sagt, wie's geht.

Wieviel Sie dann von der Einkommenserhöhung sparen (vielleicht auch, um das bislang Versäumte wenigstens partiell nachzuholen), wird ebenso von Ihrer Motivation zur Vermögensbildung abhängen wie die Entscheidung, ob und wieviel Sie zukünftig auch ohne Einkommenserhöhung sparen. Legen Sie ruhig schon jetzt einen hohen Prozentsatz für das Zusatzsparen fest. Schließlich können Sie mit den verbleibenden Prozenten trotzdem noch sofort Ihre vermeintliche Lebensqualität erhöhen.

Aber ohne Motivation ist alles nichts. Siehe Motivation zur Vermögensbildung und Altersvorsorge.

Beispiel für das Grundsparen und das Zusatzsparen

Angenommen Sie haben aktuell 1.500 Euro monatliches Nettoeinkommen und erzielen beispielsweise durch einen Jobwechsel eine Erhöhung auf 1.700 Euro Netto-Monatseinkommen. Im Falle einer selbstgewählten Sparquote von 50% für das Zusatzsparen können Sie jetzt jeden Monat 100 Euro zusätzlich sparen (200 · 50% = 100).

Mögliche Gründe für einen Anstieg des Netto-Einkommens: frei vereinbarte Lohnerhöhung, Tariferhöhung, Positionswechsel, Jobwechsel, Schichtzulagen, Eheschließung, Kinderfreibeträge und anderes mehr.

Hatten Sie vor der Einkommenserhöhung schon 150 Euro Grundersparnis und wollen diese Sparquote von 10% für das Grundsparen beibehalten, können Sie nun monatlich 170 Euro »sich selbst bezahlen«, das heißt monatlich 20 Euro mehr Grundsparen als bisher. Zusammen mit den 100 Euro vom Zusatzsparen sparen Sie fortan insgesamt 120 Euro mehr als bisher und haben von der Einkommenserhöhung um 200 Euro immer noch 80 Euro für die sofortige Ausweitung Ihrer vermeintlichen Lebensqualität.

Bereits durch eine Einkommenserhöhung und das damit verbundene Zusatzsparen ist Ihre Sparquote von vorher 10% nur für das Grundsparen sprunghaft auf insgesamt fast 16% gestiegen: 170 Euro Grundsparen + 100 Euro Zusatzsparen = 270 Euro Gesamtersparnis. 270 / 1.700 = 15,9% Gesamt-Sparquote.

Schon mit ein wenig systematischer Vorgehensweise können Sie demnach innerhalb weniger Jahre zu sehr hohen Sparquoten gelangen und haben dennoch mehr Geld für Ihre Konsumwünsche als zuvor. Nochmal in aller Deutlichkeit: Grundsparen und Zusatzsparen sind nebenbei und mit Freude möglich, unabhängig von der Einkommenshöhe und ohne auf irgendwelche bislang erreichte »Lebensqualität« zu verzichten! Das gilt spätestens ab der nächsten Einkommenserhöhung. In absehbarer Zeit werden Sie eine Sparquote von 20% als lächerlich gering betrachten!

Merksatz: Grundsparen und Zusatzsparen sind verzichtfrei möglich!

Wenn Sie das nicht nachvollziehen können, lesen Sie besser alles nochmal. Diese Empfehlung gilt generell.

Es gibt noch weitere Sparformen, wie beispielsweise das Restsparen und das Verzichtsparen, die ebenfalls ihre Vorteile haben. Jene Sparformen wollen wir hier aber nicht besprechen. Zum einen, weil sie nicht verzichtfrei möglich sind. Zum anderen, weil das Grundsparen und das Zusatzsparen vollkommen genügen, um hinreichend Vermögen zu bilden und für das Alter vorzusorgen!

Merksatz: Grundsparen und Zusatzsparen sind für Vermögensbildung und Altersvorsorge vollkommen ausreichend.

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