Einkommensverwendung

Finanzpolster

DHVon Daniel Huber · finanzuni.blog · ca. 5 Min.

Das Finanzpolster ist der finanzielle Mindestschutz eines jeden Menschen mit finanzieller Kompetenz. Es ist der erste Meilenstein unseres Vorsorgesparens.

Merksatz: Das Finanzpolster bietet finanziellen Mindestschutz.

Das Finanzpolster ist ausschließlich für unerwartete, notwendige Ausgaben und den vorübergehenden Einkommensverlust reserviert. Für Ausgaben, die Sie planen, aber nicht sofort aus Ihrem jeweiligen Monatseinkommen decken können, bilden Sie gesondert Ersparnisse (siehe Konsumsparen).

Merksatz: Das Finanzpolster ist ausschließlich für unerwartete, notwendige Ausgaben und den vorübergehenden Einkommensverlust reserviert.

Das Finanzpolster ist eine hinreichende Grundlage für kurz- und mittelfristige finanzielle Sicherheit und Sorglosigkeit. Das Finanzpolster wird Sie unverzüglich beruhigen und gesundheitlich stabilisieren. Das Finanzpolster ist gleichzeitig eine notwendige Grundlage für langfristige, für dauerhafte finanzielle Sicherheit und Sorglosigkeit, nämlich für wahre Vermögensbildung und effiziente Altersvorsorge. Nur mit einem hinreichenden Finanzpolster können Sie auf die Verfügbarkeit Ihrer investierten Ersparnisse verzichten. Mit einem Finanzpolster werden Sie weitgehend sorgenfrei.

Merksatz: Das Finanzpolster ist die Voraussetzung für wahre Vermögensbildung und Altersvorsorge.

Das Finanzpolster sorgt dafür, daß wir in jedem Fall finanziell sorgenfrei bleiben. Selbstverständlich sind auch Fälle denkbar, für die ein Finanzpolster, ganz gleich in welcher Höhe, nicht ausreichen würde. Aber das ist unwichtig. Entscheidend ist, daß Sie mit Ihrem Finanzpolster hinreichend viel Geld für all jene Fälle beiseite legen, die im Leben wahrscheinlich sind. Die erfahrungsgemäß im Leben vieler Menschen irgendwann eintreten.

Merksatz: Erst mit einem hinreichenden Finanzpolster können wir tatsächlich dauerhaft auf die Verfügbarkeit unserer investierten Ersparnisse verzichten.

Wie hoch sollte Ihr Finanzpolster für solche Fälle sein?

Eine alte Bankregel sagt: drei Netto-Monatseinkommen. Aber drei Netto-Monatseinkommen als liquides Finanzpolster reichen keinesfalls aus, weil Ihr Finanzpolster für alle zukünftigen unerwarteten, notwendigen Ausgaben reichen muß, die durch Krankheit, Unfall, eine notwendige Reise, die Hochzeit von Freunden, Ersatz oder Reparatur eines defekten Haushaltsgerätes oder des Autos, durch Umzug oder durch irgend etwas anderes erforderlich werden können. Und Ihr Finanzpolster muß auch für »schlechte Zeiten« reichen. »Schlechte Zeiten« brechen an, wenn Sie Ihr Einkommen verlieren, wenn Sie »arbeitslos« werden. Und sei es nur die sogenannte Sucharbeitslosigkeit, die jeden, also auch Hochqualifizierte, treffen kann.

Insgesamt könnten Sie ein für Sie persönlich hinreichendes Finanzpolster zum Beispiel folgendermaßen ermitteln:

Mögliches Ereignis Mögliche, unerwartete notwendige Ausgaben Krankheit, Unfall 1 - 2 Netto-Monatseinkommen Ersatz, Reparaturen 1 Netto-Monatseinkommen Umzug 1 Netto-Monatseinkommen Einkommensverlust 3 - 6 Netto-Monatseinkommen Anderes insgesamt 1 Netto-Monatseinkommen

Im Falle einer Krankheit oder eines Unfalls entstehen regelmäßig zusätzliche finanzielle Belastungen, und sei es nur, daß Sie Geld vorstrecken müssen, bis eine Versicherung zahlt. Ein bis zwei Netto-Monatseinkommen erscheinen für diesen Fall angemessen. Schließlich bietet Ihnen Ihr Finanzpolster letztlich als Gesamtsumme Sicherheit. Die obige Ereignisunterteilung hat nur für die Ermittlung des Finanzpolsters Bedeutung, nicht für dessen Inanspruchnahme.

Merksatz: Die Ermittlung des Finanzpolsters erfolgt systematisch. Die Inanspruchnahme des Finanzpolsters erfolgt aus der Gesamtsumme.

Vielleicht kommt ein arbeitsplatzbedingter Umzug aus familiären Gründen für Sie nie in Frage, aber für die anderen Ereignisse müssen Sie in jedem Fall gewappnet sein. Somit dürften insgesamt 6 bis 11 Netto-Monatseinkommen als Finanzpolster genügen. Weniger als 6 Netto-Monatseinkommen sollten es erfahrungsgemäß keinesfalls sein!

Merksatz: Insgesamt erscheinen 6 bis 11 Netto-Monatseinkommen für das Finanzpolster als hinreichend.

Falls Sie jetzt fragen: »Wann soll ich dann noch Vermögen bilden?«, erinnern Sie sich einfach an die Sparformen, die Ihnen gezeigt haben, wie man spart, und erarbeiten Sie sich dann wahre Vermögensbildung und Altersvorsorge, um zu erkennen, wieviel Vermögen entsteht, sobald Sie Ihre »Event-Investments« zugunsten systematischer Vermögensbildung aufgeben!

Wieviel Sie über das oben dargestellte Finanzpolster hinaus eventuell einmal für notwendige Ausgaben brauchen, hängt von Ihren persönlichen Lebensumständen ab. Das heißt, von Ihren arbeitsmarktrelevanten Qualifikationen, eingegangenen Zahlungsverpflichtungen, Schuldenhöhe, der Größe Ihrer Familie und vor allem auch von Ihrer persönlichen Bereitschaft, notfalls fast jeden Job anzunehmen.

Merksatz: Egal, als welche »Verschwendung« es Ihnen erscheint: Nehmen Sie sich für das Finanzpolster soviel Zeit, wie Sie brauchen! Die gesundheitlichen Vorteile spüren Sie sofort und die finanziellen Vorteile später.

Nachdem Sie Ihr Finanzpolster für eine unerwartete, notwendige Ausgabe in Anspruch genommen haben, müssen Sie es zuerst wieder auffüllen. Je nachdem, wieviel Sie von Ihrem Netto-Monatseinkommen nach Abzug Ihrer notwendigen Lebenshaltungskosten übrig haben, kann das bedeuten, daß Sie Ihre Vermögensbildung und Altersvorsorge für eine Weile einschränken müssen. Tun Sie das dann in jedem Fall zuerst, egal wie niedrig die Kurse gerade sein mögen und wie gern Sie weiterhin investieren würden. Denken Sie daran: Die nächste unerwartete Ausgabe kommt bestimmt und auch auf einen Einkommensverlust sollten Sie jederzeit vorbereitet sein!

Merksatz: Nach Inanspruchnahme des Finanzpolsters ist Ihr oberstes Ziel, es schnell wieder aufzufüllen!

Damit Ihnen Ihr Finanzpolster im Notfall tatsächlich Schutz bieten kann, muß es jederzeit frei verfügbar bleiben. Zur Aufbewahrung geeignet sind ein zweites Girokonto, ein kurzfristig verfügbares Sparkonto, ein Tagesgeldkonto, der »Sparstrumpf« und anderes.

Merksatz: Streuen Sie Ihr Finanzpolster in mehrere Teilbeträge an verschiedenen Orten bzw. Konten.

Merksatz: Das Finanzpolster dürfen Sie keinesfalls »anlegen«!

Die Verzinsung des Finanzpolsters ist nicht wichtig. Mit Ihrem Finanzpolster sollen Sie kein Geld verdienen. Das tun Sie mit Ihren investierten Ersparnissen langfristig schon reichlich genug. Kämen Sie an Ihr Finanzpolster im Notfall nicht heran, weil Sie es »angelegt« haben, oder ginge Ihr Finanzpolster komplett verloren, weil Sie es nicht gestreut haben, dann böte Ihnen Ihr Finanzpolster keinen Schutz und wäre gar kein Polster.

Hunderte Millionen Menschen machen das immer wieder falsch und gieren ausgerechnet bei jenen Beträgen, die kurzfristig verfügbar bleiben müssen, nach jedem Zehntelprozent höherer Verzinsung, und sind andererseits ausgerechnet bei jenen Beträgen, bei denen sie dauerhaft auf die Verfügbarkeit verzichten wollen, nachlässig bis gleichgültig, was die Rentabilität betrifft. Begehen Sie nicht auch diesen Fehler!

Merksatz: Die Verzinsung des Finanzpolsters ist nicht wichtig. Die Verfügbarkeit und die Streuung des Finanzpolsters ist wichtig!

Die geschilderte Vorgehensweise ist nichts anderes als zielorientiertes Denken und Handeln. Und unser Ziel für unser Finanzpolster ist es nunmal, im Notfall jederzeit darüber verfügen zu können. Unser Ziel für unser Finanzpolster ist es eben nicht, damit eine hohe Rendite zu erwirtschaften. Dieses Ziel haben wir stattdessen für jene Beträge, die wir ausdrücklich zur Vermögensbildung und Altersvorsorge beiseite legen und auf deren Verfügbarkeit wir bewußt verzichten.

Merksatz: Orientieren Sie Ihr Handeln immer an Ihrem jeweiligen Ziel für Ihre jeweiligen Ersparnisse!

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